TempelEinführung

Diese Homepage soll Ihnen Gelegenheit zu einem virtuellen Rundgang durch unsere 1999 neu konzipierten Ausstellungsbereiche bieten. Das Kepler-Museum Weil der Stadt ist im Geburtshaus Johannes Keplers beheimatet. Es handelt sich um ein Fachwerkhaus am Marktplatz, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Der Überlieferung nach erblickte Johannes Kepler in einem kleinen Raum im Obergeschoss (heute Ausstellungsbereich 7) das Licht der Welt. Die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte er in dem verwinkelten Haus, bevor er 1576 Weil der Stadt mit seinen Eltern gen Leonberg verließ.

Dieser Traum von einem Fachwerkhaus versetzt Sie übergangslos in die wechselvolle Epoche der Gegenreformation mit all ihren theologischen Spitzfindigkeiten und politischen Krisen. In einem umso strahlenderen Licht erscheint die überwältigend vielfältige Geisteswelt Johannes Keplers: Unversehens sehen Sie sich mit naturwissenschaftlichen, philosophischen und religiösen Existenzfragen konfrontiert, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben:

Steckt hinter dem natürlichen Werden und Vergehen ein planender Geist?
Gibt es ein wie auch immer geartetes Weltgesetz, auf dem alle naturwissenschaftlichen Gesetze fußen?
Was sind die Bausteine des Kosmos?
Kann der Mensch den Kosmos erobern?
Welche ordnende Kraft hält das Sonnensystem zusammen?
Benötigt man Konfessionen, um den Weg zu Gott zu finden?

Johannes Kepler
27.12.1571 Geburt in Weil der Stadt
1577 - 1589  Schulausbildung (Deutsche Schule, Lateinschule, Klosterschulen)
1589 - 1594 Theologiestudium in Tübingen.
Kepler wird während seines allgemeinbildenden Grundstudiums zum überzeugten Anhänger des Heliozentrischen Weltbilds
1594 - 1600 Landschaftsmathematiker in Graz
1597 Erste Heirat
1600 - 1601 Am kaiserlichen Hof in Prag zunächst als Assistent Tycho Brahes, dann als
1601 - 1627 Kaiserlicher Mathematiker von Rudolph II., Matthias und Ferdinand II. von Habsburg. Projekt: Schaffung von Planetentafeln von nie dagewesener Genauigkeit
1612 - 1626 Landschaftsmathematiker in Linz (zusätzlich zum Posten des Kaiserlichen Mathematikers)
1612 Tod der ersten Frau
1613 Zweite Heirat
1615 - 1621 Kepler organisiert die Verteidigung seiner Mutter, gegen die ein Zivilprozess wegen Hexerei angestrengt wurde
1627 Druck der Planetentafeln in Ulm
1628 - 1630 Mathematiker bei Wallenstein in Sagan
15.11.1630 Tod in Regensburg

Charaktereigenschaft: Gottesfürchtig

Bereits als Schüler und Student beschäftigt sich Kepler mit theologischen Streitfragen und sucht ein eigenständiges Verständnis von Gott abseits konfessioneller Denkschemata. Während des Grundstudiums entdeckt Kepler für sich die Spur Gottes in der Astronomie: Er sieht in einer etwaigen Zentralstellung der Sonne eine Entsprechung zur Allmacht Gottes. Diese Idee wird zum Ausgangspunkt all seiner astronomischen Forschungen und befähigt ihn, in der "Astronomia Nova" eine Himmelsphysik zu entwerfen, deren Kraftbegriff die Entdeckung der drei Planetengesetze stark begünstigt.

Keplers Suche nach einem harmonischen Weltgesetz ist ebenfalls religiös motiviert. Er ist davon überzeugt, dass Gott bei der Erschaffung des Alls Spuren hinterlassen hat, die der Mensch mit Hilfe der Geometrie entschlüsseln kann. In der "Harmonice Mundi" finden sich geometrisch-harmonische Spekulationen, die auf Platons (427-347 v.Chr.) Harmonielehre zurückgehen und die laut Kepler alle musikalischen und kosmischen Harmonien erklären. Das Buch endet bezeichnenderweise mit einem Dankgebet.

Charaktereigenschaft: Standfest

Kepler muss in seinem Leben viele schwere Entbehrungen auf sich nehmen, bei der standfesten Verteidigung seiner religiösen und wissenschaftlichen Überzeugungen.

Da er offen zu erkennen gibt, dass er die Abendmahlslehre nach der Konkordienformel des Augsburger Religionsfriedens nicht akzeptiert, gelingt es ihm nicht, im lutherischen Herzogtum Württemberg eine Anstellung zu finden. In Linz wird er vom lutherischen Geistlichen gar vom Heiligen Abendmahl ausgeschlossen. Kepler konvertiert trotz dieser Härten aus religiöser Überzeugung nicht zum Katholizismus, obwohl er als Lutheraner in die Mühlen der Gegenreformation gerät: 1600 bleibt ihm nur, Graz zu verlassen oder den katholischen Glauben anzunehmen. Er entscheidet sich für die Vertreibung, ohne zu wissen, was aus ihm werden soll.

Auch sein leidenschaftliches Bekenntnis zu den Lehren des Copernicus birgt Gefahren. Keplers Wunsch, eine Professur in der Heimat zu bekommen, ist unerfüllbar, da das Copernicanische Weltbild an der Universität Tübingen als Irrlehre gilt. Noch mehr Gefahr droht seiner wissenschaftlichen Stellung jedoch von katholischer Seite: Nachdem 1616 das Hauptwerk des Copernicus von der Inquisition in Rom verboten wurde, erfährt Kepler 1619 vom Verbot des ersten Teils seiner "Epitome Astronomiae Copernicanae". Dies hindert ihn jedoch nicht, sich weiterhin für die Lehre des Copernicus einzusetzen.

Charaktereigenschaft: Visionär

Keplers Entdeckung der Planetengesetze setzt die Fähigkeit zu visionärem Denken voraus. Die gleichförmige Kreisbewegung der Planeten ist noch unangetastetes Dogma. Weder Copernicus, noch Brahe, Bruno oder Galilei hegen den geringsten Zweifel daran. Auch Kepler bricht aus harmonischen Erwägungen nur ungern mit der Kreisbahn, akzeptiert aber die elliptischen Bahn, weil sie mit den Beobachtungen Brahes übereinstimmt. Die Überprüfung seiner Bahntheorie der Planeten mit Beobachtungsergebnissen sind Kepler wichtigere Leitmotive als Jahrtausende alte Dogmen.
Diese neue Form des Denkens revolutioniert Astronomie und Naturphilosophie und macht Kepler zu einem der wichtigsten Begründer der modernen Naturwissenschaft.

Als Kepler Kunde von Galileis Entdeckungen mit dem Fernrohr erhält, bekennt er sich spontan zur Authentizität dieser Beobachtungen. In seiner "Dissertatio cum Nuncio Sidereo" schreibt er voll Begeisterung: "Man schaffe Schiffe und Segel, die für die Himmelsluft geeignet sind. Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden."

Wesentlich einfacher lassen sich die Schleifenbewegungen erklären, wenn man annimmt dass sich die Sonne im Zentrum des Weltalls befindet, man also heliozentrisch denkt. Wenn die Erde einen sich langsamer bewegenden oberen Planeten einholt, kommt er von der Erde aus gesehen am Fixsternhimmel langsam zum Stillstand. Wenn die Erde ihn eingeholt hat, bewegt er sich scheinbar nach Westen, um bei zunehmender Entfernung von der Erde wieder nach Osten zu laufen. Steht die Erde mit dem Planeten und der Sonne auf einer Linie, spricht man von einer Oppositionsstellung des Planeten.

Wenn aber die Erde und die anderen Planeten sich um die Sonne bewegen, ist es unmöglich, den Planeten gleichzeitig eine tägliche Bewegung um die Erde zuzuschreiben. Also gehört zum Heliozentrischen Weltbild die tägliche Bewegung der Erde um ihre Achse. Eine solche Vorstellung ist aber für die Naturforscher vor Kepler nur schwer vorstellbar. Müsste bei einer Erdrotation von West nach Ost nicht ständig Ostwind herrschen und ein senkrecht nach oben geworfener Stein nicht weiter westlich auf den Boden fallen?

Diese Bedenken gegen die tägliche Rotation der Erde hat bereits Ptolemaios vorgebracht, als er sich mit Aristarch von Samos (300 -230 v. Chr) auseinandersetzt, der als erster die Idee der täglichen und jährlichen Bewegung der Erde aufgebracht hat. Die Verwerfung durch Ptolemaios lässt die heliozentrische Idee in Vergessenheit geraten.

Erst 1543 greift sie Copernicus (1473-1543) in "De Revolutionibus Orbium Coelestium" wieder auf. Allerdings steht für ihn die Sonne etwas abseits des Mittelpunktes des Weltalls und hat auf die Bewegungen der Planeten keinerlei Einfluss. Erst Johannes Kepler gelingt der Entwurf eines vollkommen Heliozentrischen Weltbilds, indem er der Sonne die Zentralstellung und eine Kraft zuschreibt, die die Bewegung der Planeten bewirkt.

Studium

Das Ziel dieses Ausstellungsbereiches ist, Ihnen nahezubringen, dass die konfessionellen Spannungen im ausgehenden 16. Jahrhundert einen erheblichen Einfluss auf den Werdegang des jungen Kepler hatte. Inwiefern er von besonderen schulischen und studentischen Einrichtungen des Herzogtums Württemberg profitieren konnte, wird ebenfalls vertieft. Der Bereich gliedert sich in fünf Ausstellungsgruppen:

  • Weil der Stadt im Zeitalter von Reformation und Gegenreformation
  • Keplers Abstammung väterlicherseits
  • Keplers Wohnorte und Reisen
  • Keplers Schulzeit im Spiegel der Schulordnung des Herzogtums Württemberg
  • Keplers Studium in Tübingen

 

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